Forgotten Creatures © Münsterland e.V.
Fast vergessene Kreaturen
Merkwürdigkeiten im Museum Abtei Liesborn

Fast vergessene Kreaturen – Merkwürdigkeiten im Museum Abtei Liesborn

von Christine Konken am 11.02.2026
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Rollibock, Backauv, Seebischof oder Tazelwurm – noch nie gehört? Diese und weitere Kreaturen leben in einer fast vergessenen Welt, die noch bis April zu Gast im Museum Abtei Liesborn ist. Die Ausstellung „Fast vergessene Kreaturen“ entfaltet ihre besondere Wirkung erstmals im Münsterland. Präsentiert werden Fabeltiere und Sagengestalten aus Westfalen und darüber hinaus. Am Sonntag, den 09.02. wurde die Ausstellung zusammen mit dem Schöpfer der Forgotten Creatures Florian Schäfer eröffnet und ich durfte bereits einen Blick in die ungewöhnliche Ausstellung werfen.

Ein sagenumwobener Ort

Das Museum Abtei Liesborn befindet sich in der ehemaligen Benediktinerabtei Liesborn, einem historischen Ort, um den sich zahlreiche Legenden ranken. Überlieferungen berichten von Mönchen, die Chroniken mit besonderem erzählerischem Eifer verfassten. Spukende Eulen oder der Teufel in der Scheune: Der Standort ist eng mit Mythen, Geschichten und Legenden verbunden. Perfekt also für eine so ungewöhnliche Ausstellung.

Eine Eröffnung mit historischem Frack

Im Festsaal des Museums warten alle Interessierten auf den Startschuss. Leiter Sebastian Steinbach findet einige passende Worte zu dem ungewöhnlichen Thema und vergisst auch nicht seine Co-Kuratorin Volontärin Theresa-Sofie Ditges lobend zu erwähnen. Zuletzt betritt der Mann der Stunde das Podium: Im historischen Frack mit Spazierstab und Zylinder holt Florian Schäfer von den Forgotten Creatures weit aus. Es ist mucksmäuschenstill im Saal. Seine Begeisterung für das besondere Thema scheint alle in seinen Bann zu ziehen. Wo kommen die Geschichten her? Warum gibt es so viele Varianten von den gleichen Figuren und woran denkst du eigentlich, wenn du an Kobolde denkst? Seine Begeisterung für das Nischenthema zieht alle mit. Er berichtet, wie er anfing erste Figuren aus Polymermasse zu formen: Erst winzig kleine Wichtel und zuletzt einen überdimensionalen Greif mit einer Spannweite von über 4 Metern. Der Worte sind genug gefallen – nun wollen wir die Fabelwesen endlich sehen!

Die Forgotten Creatures im MAL

Die Ausstellung eröffnet ganz klein: winzige Küchenhelferlein, kleine Wichtel und Hausgeister und sogar ein Geldmännlein gilt es erst einmal zu entdecken. Im Vorfeld hatte ich die Kuratorin Theresa-Sofie Ditges gefragt, ob sie ein „Lieblings-Exponat“ hat: „Ein konkretes „Lieblings-Exponat“ auszusuchen, fällt bei der Fülle an niedlichen, sowie gruseligen Fabel- und Tierwesen, nicht besonders leicht. Allerdings ziehen mich immer wieder die kleinsten Wesen der Ausstellung an, nämlich die kleinen Wichtel. […] Obwohl sie klein und nett aussehen, können sie auch frech und neckisch sein.“
Im nächsten Raum warten die größeren Figuren, ebenso ein Blick hinter die Kulissen. Wie entstehen die liebevoll gestalteten Wesen, wo findet das Team um Florian Schäfer die wichtigsten Informationen und welche Literatur wird hinzugezogen. Zuletzt taucht man in mehrere Dioramen ein, hat die Möglichkeit Bücher zu dem Thema zu durchblättern. Als besonderes Gadget liegt eine Sammelmappe bereit, sodass man sein eigenes „Bestiarium“ eröffnen kann.

Viel Zeit und noch mehr Herz

Moosweiblein © Münsterland e.V.

Florian Schäfer steht in der gesamten Zeit der Eröffnung Rede und Antwort. Zwischen Zwergenkönig und schwarzem Hund kommen die Gäste auf ihn zu. Für jede Frage nimmt er sich Zeit, für die Kinder geht er in die Knie und redet auf Augenhöhe mit ihnen. Ihm ist es wichtig, dass er hier nicht nur ein Hobby auslebt, sondern einen Bildungsauftrag verfolgt: Die Ausstellung zeigt, welche Rolle diese Wesen in der Volkskultur spielten und wie sie Ängste, Hoffnungen und Weltbilder vergangener Zeiten widerspiegelten. Sie befeuert die Faszination für das Sonderbare ebenso wie sie uns einen Einblick in unsere Kulturgeschichte und kulturelle Vielfalt schenkt. Florian betont außerdem: „…alles auf Basis der Wissenschaft! Hier wird kein Populismus betrieben! Unterstützt werden wir von Fachwissenschaftlern zahlreicher Disziplinen, von Archäologen, Erzählforscherinnen, Psychologen und Historikerinnen.“

Mach dir selbst ein Bild!

Einhorn © Münsterland e.V.

Ich planen schon den nächsten Ausflug nach Liesborn, da ich meiner 4-jährigen Tochter unbedingt einen Zugang zu dieser wunderbaren Welt ermöglichen möchte. Die Ausstellung wird noch bis zum 19. April gezeigt und der Eintritt ist kostenlos. Plane ruhig etwas mehr Zeit ein, damit du auch die Hörspiele und ergänzenden Kurzgeschichten in Ruhe genießen kannst. Wer den „Fast vergessenen Kreaturen“ zusätzlich etwas Gutes tun möchte, ist herzlich eingeladen zum Mythenretter zu werden und für den weiteren Erhalt dieses Projekts zu spenden.

Ausstellungsdetails

  • Titel: Fast vergessene Kreaturen. Fabeltiere und Sagengestalten (nicht nur) aus Westfalen
  • Ort: Museum Abtei Liesborn, Wadersloh-Liesborn
  • Zeitraum: aktuelle Sonderausstellung, 08.02.2026- 19.04.2026
  • Eintritt: frei
  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr

Lage des Museum Abtei Liesborn

Christine Konken © Münsterland e.V.

Über Christine Konken

Hey, ich bin Christine. Mich hat es aus der italienischen Kunstgeschichte zu den Schlössern und Burgen des Münsterlandes verschlagen, um die ich mich seit 2019 beim Münsterland e.V. kümmern darf. Spannende Schlösser besuchen, besondere Burgen erleben und verschiedene Veranstaltungsformate an den Highlights unserer Region entdecken – dafür schlägt mein Herz!

Privat besuche ich nicht immer nur Schlösser und Burgen. Da spielt auch viel Musik, Kunst und Kulinarik in meine Interessensgebiete rein. Aber primär erkunde ich grade mit meinem Baby die Region: Zu Fuß mit Sport-Buggy oder auf dem E-Bike mit Babyanhänger. Und wenn der Partner und der Hund lieb sind, dann nehmen wir die auch noch mit.

Ich freue mich immer über Tipps und Anregungen, wo wir nächstes Mal reinspaziert kommen können!

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