© Münsterland e.V. / Phillip Foelting
Sonnenschein trotz Meimel-Wetter
Das kleine Parkpflegeseminar auf Haus Stapel

Parkpflegeseminar auf Haus Stapel

Samstag, 6 Uhr: Mein Wecker klingelt! Was tue ich mir da nur an? Es ist doch Wochenende… Ich helfe heute beim kleinen Parkpflegeseminar auf Haus Stapel mit. Der LWL hat diesmal zusammen mit uns, den Kolleginnen und Kollegen vom Münsterland e.V., zu dem ehrenamtlichen Parkpflege-Einsatz eingeladen. Die Wetterprognosen sind mittelmäßig, der Kaffee heute Morgen extrastark. Die Überzeugungsarbeit für den inneren Schweinehund fällt ebenfalls ein wenig intensiver aus. Aber ich schaffe es in regenfester Kleidung, mit Spaten und sonstigem Gepäck im Kofferraum sowie mit guter Laune pünktlich im Auto zu sitzen und mich Richtung Havixbeck aufzumachen.

Ehrlicherweise habe ich es während meiner gesamten Tätigkeit in der Schlösser- und Burgenregion Münsterland noch nicht zum Haus Stapel geschafft. Das Haus ist eines unserer Blauen Schlösser, also in Privatbesitz und nie oder nur selten zugänglich, da sich vermietete Wohnungen darin befinden. Im Gartensaal finden außerdem regelmäßig die besonderen Haus-Stapel-Konzerte statt. Das Parkpflegeseminar, das heute stattfindet ist ein sogenanntes „Kleines Seminar“. Vor einem Jahr fand eine große, zweitägige Pflegeaktion statt, bei welcher umfangreich Wildwuchs entfernt wurde. Heute soll unter anderem an vielen Stellen nachgepflanzt werden. Gleich werden wir vor Ort erfahren, welche Arbeiten uns heute noch erwarten.

© Muensterland e.V.

Am Haus angekommen, treffe ich Marcus Weiß, unter dessen professioneller Expertise die Seminare durchgeführt werden. Er ist derjenige, der sich im Vorfeld bereits mit der Eigentümerin Freifrau Raitz von Frentz, mit dem ansässigen Verein KulturGut Havixbeck e.V. sowie einer Gemeindevertreterin zusammensetzt und hier mithilfe der zuvor gesichteten Urkunden und Dokumenten aus den Archiven des Hauses einen Plan erstellt hat, wie der Park wieder zu seiner ursprünglich angedachten Form zurückgeführt werden kann. Eine ganz schöne Mammut-Aufgabe! Die Laune ist bei allen Ankommenden gut und man merkt, dass alle spürbar erleichtert sind, dass der angesagte Regen erst gegen 15 Uhr starten soll. Eine absolute Besonderheit des heutigen Tages sind unsere Austausch-Helferinnen und -Helfer aus den Niederlanden. Vom Haus Landfort, das unmittelbar an der deutsch-niederländischen Grenze und in direkter Nachbarschaft zur Wasserburg Anholt liegt, sind für den heutigen Tag sieben seiner insgesamt 60 ehrenamtlich Tätigen extra für diesen Tag angereist. Ein tolles Austauschprogramm! Die LWL Denkmalpflege begrüßt uns. Die Eigentümerin steht ebenfalls in Gummistiefeln und mit Handschuhen bereit und freut sich auf das gemeinsame Schaffen. Eine Niederländerin lächelt mir zu: „Wird in Deutschland immer so viel geredet?!“ Man spürt den Tatendrang und die Lust auf die gemeinsame Betätigung vor schönster Kulisse. Wohl an, ab ans Werk!

Marcus und alle anderen Aktiven, die für die Organisation zuständig sind führen uns an die heutigen Schauplätze: Im ehemaligen barocken Nutzgarten soll die frühere Raumkante durch 350 Sträucher wieder hergestellt werden. Am zweiten Spot, westlich des Hauses an der Gräfte, soll eine Ebene planiert und mit 50 Bodendeckern attraktiver gestaltet werden. Wir dürfen uns selber aussuchen, welche Aufgaben wir übernehmen wollen. Da die gräftennahe Arbeit definitiv Gummistiefel verlangt, habe ich mein Team schnell gefunden. Schubkarren, Spaten und Werkzeug, die uns für den Tag freundlicherweise von nahegelegenen Gartenbaubetrieben zur Verfügung gestellt wurden, sind schnell gepackt und ehe ich mich versehe, stehe ich schon knöcheltief im Schlamm.

Schlamm ist da allerdings sehr positiv formuliert: Wir merken sehr schnell, dass wir es weniger mit Erde als eher mit einem Lehmgemisch zu tun haben. Das trübt aber weder unseren Tatendrang noch die Stimmung. Es wird gebuddelt, gelacht und auch wirklich malocht! Für kleine Pausen steht das Gartenhaus mit gemütlichem Feuer, warmen und kalten Getränken und einigen Stärkungen jederzeit zur Verfügung. Schnell ist die Fläche glatt gezogen und noch vor der Mittagspause können wir mit dem Pflanzen beginnen. Da wir für das Setzen der kleinen Stauden nicht mehr ganz so viele helfende Hände in meinem Team brauchen, wechsle ich kurzerhand zum zweiten Team. Und das hat schon ordentlich vorgelegt: Ein Großteil der Strecke ist bereits abgearbeitet und über die Hälfte der Sträucher sind bereits im Boden. Dank des emsigen Einsatzes der Jugendbauhütte Westfalen, die regelmäßig an Parkpflegeseminaren teilnimmt, kommt auch dieses Team sehr gut voran.

Ich beginne die Euphorie, die unsere niederländischen Kolleginnen und Kollegen mitgebracht haben, ebenfalls zu verspüren: Gemeinsam hier im Freien, mit wunderbarem Ausblick, in netter Gesellschaft wirklich körperliche Arbeit zu leisten, gemeinsam zu schwitzen, zu schwatzen und zu schlemmen (!) und am Ende mit dem Gefühl nach Hause zu fahren, etwas Nachhaltiges und Gutes getan zu haben? Das macht man wirklich viel zu selten! Ich stelle mir vor, wie ich meiner Tochter irgendwann bei einem Parkbesuch berichten kann, dass ihre Mama diese ganzen Bäume im Alleingang gepflanzt hat…ein wenig Übertreibung wird ja noch erlaubt sein!

Wir beginnen mit den letzten Setzlingen für diesen Tag – mit dem letzten Spatenstich setzt dann auch wie angekündigt der Regen ein. Gemeinsam werden die Werkzeuge verräumt, ein letzter Kaffee im Warmen getrunken und beim Blick in die Gesichter der Teilnehmenden sieht man deutlich ein rundum zufriedenes Lächeln verbunden mit einem innerlichen Schulterklopfen.

Für mich war es schon das zweite Parkpflegeseminar, bei dem ich ehrenamtlich geholfen habe. Sowohl das Schloss Senden, als auch das Haus Stapel veranstalten regelmäßig Parkpflegeseminare. Es sind weitere Seminare auch an anderen Orten geplant. Hierfür solltest du unbedingt unsere Webseite im Auge behalten. Eine Teilnahme lohnt immer! Ob du dich ehrenamtlich betätigen willst und nebenbei etwas über Gartenpflege lernst, ob du einen Blick hinter die Kulissen des Hauses werfen möchtest oder einfach „nur“ wegen der fantastischen Verpflegung an dem Tag mit dabei bist: Wir freuen uns über jede helfende Hand und versichern dir, dass dieses Erlebnis etwas ganz Besonderes ist!

Lageplan Haus Stapel

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Über Christine Konken

Hey, ich bin Christine. Mich hat es aus der italienischen Kunstgeschichte zu den Schlössern und Burgen des Münsterlandes verschlagen, um die ich mich seit 2019 beim Münsterland e.V. kümmern darf. Spannende Schlösser besuchen, besondere Burgen erleben und verschiedene Veranstaltungsformate an den Highlights unserer Region entdecken – dafür schlägt mein Herz!

Privat besuche ich nicht immer nur Schlösser und Burgen. Da spielt auch viel Musik, Kunst und Kulinarik in meine Interessensgebiete rein. Aber primär erkunde ich grade mit meinem Baby die Region: Zu Fuß mit Sport-Buggy oder auf dem E-Bike mit Babyanhänger. Und wenn der Partner und der Hund lieb sind, dann nehmen wir die auch noch mit.

Ich freue mich immer über Tipps und Anregungen, wo wir nächstes Mal reinspaziert kommen können!

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